Biografie

François-Xavier Roth

Falls er den Spitznamen „Special FX“ nicht ohnehin schon bekommen hat, dann sollte er ihn für sich annehmen…einfühlsame Musikalität und ein Gespür für Farben, mit dem er mitunter solch verblüffende Nuancen heraufbeschwört, dass selbst die Musiker erstaunt sind.
Neil Fisher, The Times

Wie der Unterschied zwischen einem prickelnden fruchtigen Champagner und einem alten, überlagerten Rotwein…ein verführerisches Bouquet aus kräftigen, warmen und samtigen Naturdüften, edlen Holznoten und dunklen, vollen Farben.
Rémy Franck, Pizzicato (CD-Besprechung zu Ravel: Daphnis & Chloé)

Die regelmäßigen Kritiken zu François-Xavier Roths gefeierten Aufnahmen in unserem Magazin deuten vor allem auf eines hin: Weder sein Ansatz noch der Klang oder die Vision dahinter haben jemals auch nur den Anschein von Routine.
Mark Cullingford, The Gramophone

François-Xavier Roth, 1971 in Paris geboren, ist einer der charismatischsten und vielseitigsten Dirigenten unserer Zeit. Seit 2015 leitet er als Generalmusikdirektor der Stadt Köln sowohl das Gürzenich-Orchester als auch die Oper Köln. Er ist Principal Guest Conductor des London Symphony Orchestra und der erste Associate Artist der Philharmonie de Paris; kürzlich wurde er darüber hinaus zum Künstlerischen Leiter des Atelier Lyrique de Tourcoing ernannt.

Geschätzt für seine einfallsreichen und ungewöhnlichen Konzertprogramme, seine prägnante Herangehensweise und Überzeugungskraft, arbeitet François-Xavier Roth mit führenden Orchestern wie der Staatskapelle Berlin, dem Boston Symphony Orchestra, Cleveland, San Francisco Symphony und dem Tonhalle Orchester Zürich. In der Spielzeit 2019/20 folgt er Wiedereinladungen der Berliner Philharmoniker, dem Concertgebouworkest, dem Orchestre de Paris, Montreal Symphony, Tokyo Metropolitan Symphony, den Münchner Philharmonikern und dem Mahler Chamber Orchestra, tritt gleich zwei Mal mit dem Boulez Ensemble auf und gibt sein Debüt im Leipziger Gewandhaus.

2003 gründete Roth das Orchester Les Siècles, mit dem er so innovative wie kontrastreiche Programme konzipiert und diese auf modernen und historischen Instrumenten umsetzt. Mit Les Siècles ist er in ganz Europa sowie China und Japan aufgetreten und das Ensemble erhält häufig Einladungen zu großen Festivals wie dem Musikfest Berlin, dem Beethovenfest Bonn, Musica Viva, Gstaad, dem Festival Berlioz, dem George Enescu Festival und in Santander. Anlässlich des 100. Jahrestages der Uraufführung von Le Sacre du printemps empfanden Roth und Les Siècles Strawinskys Originalklang nach und präsentierten diesen anschließend bei Aufführungen mit den Tanz-Kompagnien von Pina Bausch und Dominique Brun in London, Paris, Frankfurt, Beijing, Nanjing, Shanghai und Tokio. Das Orchester war bereits zweimal für den Gramophone Orchestra of the Year Award nominiert.

In dieser Saison umfassen François-Xavier Roths Konzerte mit dem London Symphony Orchestra Werke von Bartók, Berio, Strawinsky und Elgar sowie ein neues Auftragswerk von Sophya Polevaya; es wird sowohl in Paris als auch Lyon Konzerte geben. Die dritte CD in der Reihe der Panufnik Legacies erscheint ebenfalls in diesem Zeitraum.

In seiner fünften Spielzeit an der Kölner Oper leitet François-Xavier Roth Neuproduktionen von Wagners Tristan und Isolde und Berlioz‘ Béatrice et Bénedict sowie die Wiederaufnahme von Zimmermanns Die Soldaten. Mit dem Gürzenich-Orchester setzt er seinen Bruckner-Zyklus fort, erkundet weiterhin das Schaffen Berlioz‘ und präsentiert neue Auftragswerke von Gander und Srnka neben Kompositionen von Bach, Rameau und Rebel. Anlässlich des Beethoven-Jahres erweckt das Gürzenich-Konzertformat The New Academy die Atmosphäre von Beethovens Wiener Akademie-Konzerten zum Leben und bringt intensive Beethoven-Momente mit ungewöhnlichen zeitgenössischen Stilistiken zusammen. The New Academy tourt auch durch London, München, Hamburg und Lyon.

François-Xavier Roths Veröffentlichungskatalog umfasst unter anderem alle symphonischen Dichtungen von Richard Strauss, die er während seiner Zeit als Chefidirigent (2011-2016) mit dem SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden & Freiburg einspielte, sowie Aufnahmen der drei Strawinsky-Ballette mit Les Siècles (Le Sacre du Printemp gewann den „Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik“ und den Edison Klassiek Award). Zu den Veröffentlichungen zweier fortwährender Zyklen mit Werken Ravels und Berlioz‘ auf Harmonia Mundi zählen das zum „Gramophone Awards Orchestral Album of the Year 2018“ ernannte Daphnis et Chloé sowie Ma mère l’Oye; ein Recital mit Sabine Devieilhe für Erato wurde bei den Victoires de la Musique Classique zur Aufnahme des Jahres 2018 gekürt. Eine weitere Veröffentlichung ist dem 100. Todestag Debussys gewidmet und beinhaltet dessen Jeux und Nocturnes; zwei weitere ehren Berlioz zum 150. Todestag mit Aufnahmen von Harold en Italie, Les nuits d’été sowie, ab Oktober 2019, der Symphonie Fantastique. Anfang 2019 erschien auch François-Xavier Roths Einspielung von Mahlers Symphonie Nr. 3 mit dem Gürzenich-Orchester, nachdem Dirigent und Orchester 2017 bereits Mahlers 5. veröffentlicht hatten. Beide Werke wurden mit Gürzenich uraufgeführt. Kürzlich erschien François-Xavier Roths Einstandskonzert als Erster Ständiger Gastdirigent des London Symphony Orchestra unter dem Titel The Young Debussy auf DVD.

Der Einsatz für die Gewinnung neuer Zuhörer ist essentieller Bestandteil der Arbeit von François-Xavier Roth. Gemeinsam mit dem Festival Berlioz und Les Siècles gründete er das Jeune Orchestre Européen Hector Berlioz, eine einzigartige Orchesterakademie mit ihrem eigenen Bestand an historischen Instrumenten. Erst vor kurzem trat der Klangkörper mit dem ersten Teil von Les Troyens in Berlioz‘ Heimatort auf. Darüber hinaus haben Roth und Les Siècles Presto! ins Leben gerufen, eine Fernsehserie für France 2, die allwöchentlich über drei Millionen Zuschauer erreicht. Das Jugendprogramm des Gürzenich-Orchesters Ohrenauf! wurde Anfang 2017 mit einem Junge Ohren Preis in der Kategorie „Produktion“ ausgezeichnet.

Unermüdlicher Kämpfer für zeitgenössische Musik, ist François-Xavier Roth seit 2005 Dirigent des wegweisenden Panufnik -Komponistenprogramms des London Symphony Orchestra. Darüber hinaus brachte Roth Werke von Yann Robin, Georg-Friedrich Haas, Hèctor Parra und Simon Steen-Anderson zur Uraufführung und arbeitete mit Komponisten wie Pierre Boulez, Wolfgang Rihm, Jörg Widmann, Helmut Lachenmann und Philippe Manoury zusammen. Letzteren beauftragte das Gürzenich-Orchester mit der Komposition der Köln-Trilogie und den dazugehörigen Werken Ring, Saccades und Lab.Oratorium.

Für seine Verdienste als Musiker, Dirigent, musikalischer Leiter und Lehrer wurde François-Xavier Roth im vergangenen Jahr zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.

www.francoisxavierroth.com

Menu